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Rennbericht Race Across the Alps 2007
Am 22 Juni startete in Nauders für mich das härteste Eintages Rennen der Welt. Mit meinem Team Dirk Schmalenbach, Jörg Zagler, Kay Selent und
Frank Boese machten wir uns um 11 Uhr auf dem Weg zum Start wo jeder Teilnehmer vorgestellt wurde und ein kleines Interview geben musste.
Dann war es endlich soweit und der Startschuss fiel um 12 Uhr für 2 Mädels und 28 Männer. Auf den ersten 3 km war ich bereits letzter, (läuft ja super
für mich) konnte aber bald das erste Mädel und einen anderen Teilnehmer überholen. Die anderen Teilnehmer waren schon auf und davon und ausser
Sicht. Nun folgte der erste Anstieg mit 28 km Länge, der Himmel über mir sah nicht wirklich gut aus. Auf der Passhöhe des Stilfser Joch war es soweit
und es fing bei 5 Grad an zu regnen (geht ja gut los mit dem Wetter). Die Abfahrt im Regen Richtung Bormio war kein Problem. In der Anfahrt zum Gavia Pass überholte ich das zweite Mädel (aber nur weil sie am Rand stand und sich umzog). Nach ca.2-3 km musste ich mich dem Mädel geschlagen geben
und sie zog auf und davon. Die nächste Ampel sorgte dafür das ich das Mädel wieder einholte. Die Ampel wurde Grün und ich sah nur noch wie sie immer kleiner wurde. Die Auffahrt zum Gipfel des Gavia fiel mir schon sehr schwer und es regnete schon wieder. An der Passhöhe zog ich mich für die Abfahrt um und sah aus als würde ich den Mount Everest besteigen, denn aus dem Regen wurde Eisregen (gute Aussichten für die Abfahrt). Da das Mädel länger beim umziehen brauchte (typisch Frau) konnte ich sie wieder überholen. Die spektakuläre Abfahrt vom Gavia wurde mir und meinem Begleitfahrzeug
beinah zum Verhängnis, wir waren für diese Wetterverhältnisse viel zu schnell und machten fast Bekanntschaft mit der italienischen Botanik. Dank Antiblockiersystem beim Auto und reiner Glücksache bei mir kamen wir heile ins Tal. Jetzt kam der langweilige Aprica Pass der später noch einmal gefahren wurde. Um 22 Uhr machte ich mich weiter auf dem Weg zum Mortirolo Pass (mein Angstberg), mit einer Länge von 11km und einer Steigung von 16-18% im Durchschnitt, ein richtig geiles Teil. Um kurz vor Mitternacht war der Gipfel erreicht, mir wurde mal wieder eine Banane und ein Riegel gereicht (keine Ahnung wie viel ich davon schon gegessen habe). In der Abfahrt musste ich mich mit einem Hasen rumschlagen, der eine Geschwindigkeit von ca.45 km/h erreichte (unglaublich aber wahr). In der zweiten Auffahrt zum Aprica Pass machte sich die Belastung vom Mortirolo in Form von starken Knieschmerzen bemerkbar. Mein Team behandelte mein Knie mit Salbe, wir fuhren weiter zum 35 km langen Bernina Pass, dem Knackpunkt des
Rennens. Die Schmerzen im Knie waren immer noch vorhanden und Frank bot mir zwei Schmerztabletten an. Um den langen Anstieg zu überstehen
nahm ich das Angebot dankend an. Kurz vorm Gipfel um 5.30 Uhr wurde mir ein Handy gereicht und ich sprach kurz mit Thomas Arndt (eine echte Abwechselung nach 280 km), der sich ständig nach mir erkundigte. Der Gipfel war um kurz nach 6 Uhr geschafft. Meine Jungs reichten mir eine warme Suppe (die war geil), denn die Temperatur war vom Gefrierpunkt nicht weit weg. Ich zog mich für die Abfahrt dick an und sah aus wie Reinhold Messner (nur ohne Vollbart). In der Abfahrt Richtung La Punt war es soweit, mein Körper wollte nicht mehr, ich aber! Ich fuhr als wenn ich 3 Promille Alkohol im
Blut gehabt hätte, vielleicht hatte ich auch immer wieder ein Sekundenschlaf. Leider kann ich es nicht beurteilen weil ich nicht mehr klar denken konnte. Auf einer langen Geraden hielt ich an und beugte mich auf meinem Lenker und brach in Tränen aus weil ich spürte mit meinem Körper stimmt irgend
etwas nicht und hatte Angst das Rennen aufgeben zu müssen (und das nach 290km und 7700 Höhenmeter). Zwei meiner Jungs kamen zu mir und
wollten mir eine längere Pause verordnen. Pause, das Wort kannte mein Kopf in diesem Zustand nicht und ich fuhr einfach weiter bis zum Fuße des
Albula Pass. Dort konnte ich wieder klar denken und nahm denn Rat meiner Jungs eine längere Pause zu machen an. In der längeren Pause konnte ich mich gut erholen und die Optik meines Gesichtes stimmte auch wieder. Die nächsten Pässe Albula und Flüela verliefen ohne Probleme, nur Riegel und Bananen hingen mir schon aus den Ohren raus. Im Anstieg zum Ofen Pass traten meine Knieschmerzen wieder auf, um die letzten 110 km und ca.3200 Höhenmeter zu überstehen nahm ich noch mal zwei Schmerztabletten. Am vorletztem Anstieg machten wir noch mal eine längere Pause. Im Anstieg vom Umbrail Pass hatte ich plötzlich mehrere Fans um mich rum. Ein Schwarm Fliegen begleitete mich ein paar Kilometer (mein Deo hatte nach 27 Stunden tatsächlich versagt). Oder hatte sich mein Begleitteam in Fliegen verwandelt? Nein, ein paar Kurven weiter standen meine Jungs wieder um mir meine allerletzte Trinkflasche zu geben. Dann kam für mich meine letzte Abfahrt in den Alpen für dieses Jahr und verpasste mir noch mal einen Adrenalinstofl
der bis ins Ziel anhielt. Im Ziel wurde ich von ca.300 begeisterten Zuschauern empfangen. Ich wusste nicht wie mir geschah und war etwas sprachlos.
Ein nettes Mädel begleitete mich ins Festzelt um mich auf der Bühne zu interviewen. Abschließend möchte ich mich bei meinem Team (ohne sie wäre
ich nie ins Ziel gekommen) und allen die mitgefiebert haben für alles bedanken. Übrigens die zwei Mädels die mit mir gestartet sind mussten nach 450 km und 34 Stunden aufgeben wegen Nachtsperre am Umbrail Pass. Mein Respekt für die bis dahin super Leistung. Fazit nach 33 Stunden 15 Minuten und
ca.4 Kg weniger auf den Rippen: extrem hart am Limit aber trotzdem eine saugeile Erfahrung.
Hoffe ich konnte ein bisschen von meiner Sucht an euch weitergeben.
Gruß Thorsten
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